Immer wieder darf ich Menschen unterstützen, welche erschöpft sind und auch eine innere Leere wahrnehmen. Sie sind dauerhaft angespannt und kommen nicht zur Ruhe.
Nicht zur Ruhe kommen
Folgt nach Stressphasen oder Phasen der Anspannung keine Aktivierung des Parasympathikus (Zweig in unserem Nervensystem, der für die Erholung, die Entspannung, die Ruhe, die Verdauung zuständig ist) , so bleibt unser Nervensystem im "Kampf- oder im Fluchtmodus" und in einem ständig "auf der Hut sein". Dabei ist unsere Aufmerksamkeit fast komplett nach aussen gerichtet.
Bei Menschen mit traumatischen Erfahrungen kann das Nervensystem in einem dauernden erregten Zustand sein. Bei Ruhe fühlen wir uns unwohl, werden kribbelig und beginnen zu grübeln. Weil das so unangenehm sein kann, beschäftigen wir uns lieber wieder und lenken uns ab.
Ein schleichender Prozess
Unser Körper hält viel aus und ist sich gewohnt, wenn wir oft im Sympathikus sind (Bereich der Anspannung, des "müssens"). Oft bemerken wir das nicht und eine Erschöpfung ist ein schleichender Prozess. Ein über Monate oder gar Jahre dauerndes Ungleichgewicht im Nervensystem kann irgendwann zu belastenden körperlichen oder psychischen Symptomen führen. Ein gesundes Nervensystem reguliert sich von seiner biologischen Natur her wieder von der Aktivierung (Sympathikus) in die Ruhe und Entspanntheit (Parasympathikus).
Eigene Ansprüche überprüfen
Oft möchten die Menschen die eigenen, hohen Ansprüche unbedingt erfüllen, an Altem festhalten, uns zu stark mit anderen vergleichen, es allen Recht machen und sich einreden, dass "es" nicht so schlimm ist und irgendwann wieder ruhigere Zeiten kommen und sich alles von alleine bessert.
Ich "darf" anstelle von ich "muss"
Wir alle brauchen mehr Rückzug, weniger Tun, weniger Funktionsmodus, mehr Ruhe und Entspannung. Mehr Qualität von «ich darf» anstelle von «ich muss» - auch bei der Arbeit. In der heutigen Leistungsgesellschaft sind wir mit allem möglichen verbunden, oft nur nicht wirklich mit uns selbst. Es geht darum, die Aufmerksamkeit vom Aussen nach Innen zu richten, um wieder bei uns selbst anzukommen.
Nur aus der Entspanntheit, aus der Ruhe können wir überhaupt wahrnehmen, wie es uns jetzt gerade geht, was wir brauchen und was uns gut tut.
Mit sich selbst in Kontakt kommen und im Hier und Jetzt sein braucht Bereitschaft, Ausdauer und ein regelmässiges Üben. Dazu eine einfache Atemübung:
Atmen Sie zu Beginn auf 1-2-3-4 ein, machen Sie auf 1-2 Pause und atmen wieder auf 1-2-3-4 aus. Legen Sie dabei eine Hand auf Ihren Bauch oder auf Ihr Herz. Wiederholen Sie das Atmen ca. 10x.
Gehen Sie mit folgenden Fragen weiter:
Wie geht es mir jetzt? Und dann: Was brauche ich jetzt?
- Erlauben Sie sich: "Ich muss" versus "muss ich wirklich?" «Ich muss es machen» versus «muss ich das jetzt wirklich oder ist es mein Perfektionsanspruch?»
- Oder gar «ich muss» versus «ich darf»?
Viel Freude beim Atmen und einem täglichen Check-in bei Ihnen selbst. Es zählt die Regelmässigkeit: Gönnen Sie sich die Atemübung und das Check-in täglich 3x? Während einer Pause am Vormittag, nach dem Mittag und am Nachmittag?
Ich unterstütze Sie gerne, wie Sie einen entspannteren Umgang mit sich selbst lernen können.